Project Description

Euroregion „Spree-Neiße-Bober“

Europatag-Gondel #21

Wie hat es begonnen? Wie war der Anfang? Am einfachsten wäre es, aus Wikipedia zu zitieren, aber hinter den Daten und den Namen der Gemeinden stehen Menschen, Menschen, die damals die Vision und den Mut hatten, Polen als Teil Europas zu sehen.
Die ersten Euroregionen in der Europäischen Union wurden bereits in den 1950er-Jahren gebildet und schufen eine Form der Zusammenarbeit zwischen den Regionen der europäischen Länder. Die lokalen Behörden waren an ihrer Etablierung beteiligt. Damals befand sich Polen auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs, und der durchschnittliche Kommunalbeamte wusste dort wahrscheinlich nicht, dass es die grenzüberschreitende Zusammenarbeit überhaupt gibt. Die Grenzen Polens waren gegenüber dem “Westen” fest verschlossen. Was den Menschen heute so selbstverständlich erscheint, wie das Überqueren der Neiße und Einkäufe zu machen, das war damals undenkbar. Die Polen lebten in ihrer eigenen geschlossenen Welt und hatten allenfalls Kontakte zu Bürgern “brüderlicher Nationen” wie der Sowjetunion, Bulgarien oder Jugoslawien. Sie lebten weit weg von Europa, obwohl sie – territorial und kulturell – immer ein Teil davon waren.

Und das Leben in Europa kam in Schwung, es wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut, es entwickelte sich wirtschaftlich und geistig, daher waren auch die Entwicklung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sowie die Erweiterung der Europäischen Union um neue Mitglieder möglich. Dadurch entstand ein Gemeinschaftsgefühl. Im Jahr 1980 wurde das sog. Madrider Abkommen vom Europarat verabschiedet und von den einzelnen europäischen Ländern ratifiziert. Das Madrider Abkommen legte fest, dass die Länder, die es ratifiziert haben, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit unterstützen, zum wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt der Grenzregionen beitragen und das Gemeinschaftsgefühl zwischen den Ländern Europas stärken sollen. Eine wichtige Bestimmung des Abkommens ist zudem die Achtung der gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Bestimmungen der einzelnen Länder, die es ratifiziert haben. Seitdem ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit rechtlich abgesichert und der Prozess der europäischen Einigung hat an Dynamik gewonnen. Man musste jedoch warten. Das Jahr 1989 brachte dann einen Hauch von Veränderung, da die lange Zeit des Kommunismus in Polen endete. Die ersten teilweise freien Wahlen wurden abgehalten und die Opposition war erfolgreich. 1991 gab es bereits komplett freie Wahlen und 1993 ratifizierte Polen das Madrider Übereinkommen.

Genau hier beginnt die Geschichte eines schönen deutsch-polnischen Abenteuers in einer kleinen Stadt im Westen Polens. Damals war der Bürgermeister der Stadt Czesław Fiedorowicz – ein Visionär, ein Träumer, ein Mann, der wollte, dass Polen und Deutsche nur durch einen Fluss getrennt sind und dass die Nachbarschaft zweier Nationen im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitende Zusammenarbeit bedeutet. Mit diesen Gedanken war er nicht allein. Die Gespräche über die Schaffung der Euroregion an der Grenze der damaligen Woiwodschaft Zielona Góra wurden Ende 1991 von Leuten initiiert, die ähnlich dachten – von Vertretern der Behörden aus Lubsko, Jasień, Brody, Nowogród Bobrzański und Trzebiel auf der polnischen Seite mit Leuten von der anderen Seite des Flusses – von Vertretern der Behörden der Stadt Forst (Lausitz) auf der deutschen Seite. Im Jahr 1992 schlossen sich ihnen Vertreter anderer Gemeinden und der Bürgermeister von Zielona Góra an, aus Deutschland waren es Guben, Spremberg und Cottbus. Und es hat tatsächlich funktioniert! Die Gründungsversammlung fand am 2. Juni 1993 statt. An der Veranstaltung nahmen die Gründungsgemeinden und der Bürgermeister von Zielona Góra teil. Die feierliche Unterzeichnung fand am 21. September 1993 in Gubin statt. Die Euroregion “Spree-Neiße-Bober” war somit offiziell gegründet. Die Vereinbarung regelt die breit angelegte Zusammenarbeit zwischen den Partnern beiderseits der deutsch-polnischen Grenze und wurde vom damaligen und seit fast 30 Jahren amtierenden Präsidenten des Konvents des (polnischen) Gemeindeverbandes der Euroregion “Spree-Neiße-Bober” Czesław Fiedorowicz und dem Präsidenten des deutschen Vereins der Euroregion “Spree – Neiße – Bober” Waldemar Kleinschmidt unterschrieben.

Seitdem ist die Euroregion “Spree – Neiße – Bober” eine dauerhafte Plattform für die Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und der deutsch-polnischen Gesellschaft. In diesem Zeitraum ist Polen Mitglied der Europäischen Union geworden, die Grenzen sind mit seinem Beitritt zum Schengen-Raum verschwunden, und die Euroregion besteht ungeachtet der sich ändernden Zeiten und Umstände fort und bringt die Menschen auf beiden Seiten der Grenze, die nur noch eine konventionelle Linie auf der Landkarte ist, einander näher.

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